Florian, was bedeutet die Digitalisierung für Arbeitnehmer, Jobsuchende und Unternehmen?
„Kurz gesagt: Die Digitalisierung vereinfacht Arbeit und die Prozesse, die dahinterstehen. Digital überbrücken wir Distanzen, optimieren den Informationsaustausch und halten dabei immer den Kontakt zu sämtlichen Stakeholdern im Arbeitsprozess.
Letztlich sind virtuelle Abläufe effizienter und erlauben einen verstärkten Fokus mit effektiven Abläufen, einem klaren Zeitrahmen und genau definierten Aufgaben. Man verschwendet keine Zeit, sondern kommt gleich zur Sache.“
Stichwort virtuelle Zusammenarbeit: Inwiefern lohnt sich das für Unternehmen und Mitarbeiter?
„Digitales Zusammenarbeiten ist zeit- und ortsunabhängig. Das bringt höchstmögliche Flexibilität mit sich: Ich kann mir für einen Termin kurzfristig Menschen aus unterschiedlichsten Abteilungen, Standorten und Zeitzonen holen. Diese persönlich an einen Tisch zu bringen, würde in der realen Welt Wochen oder Monate benötigen.
Das eröffnet in der Planung, aber auch der Zusammenarbeit große Chancen: Gerade dezentral oder international organisierte Unternehmen organisieren die Kommunikation miteinander, aber auch nach außen hin mit Klienten, Kunden und anderen Stakeholdern um ein Vielfaches rascher und gebündelter – und das zu einem Bruchteil der Kosten von analogen Prozessen.
Auch die Entscheidungsgrundlage wird virtuell breiter: Ich kann virtuell alle wichtigen Interessengruppen hinzuziehen und habe damit einen verbesserten Zugang zu ihren Bedürfnissen und Meinungen. Das nimmt die Hierarchie aus der Kommunikation: Wenn alle im selben virtuellen Raum sitzen, können alle auf demselben Level miteinander sprechen.“
Dass der Weg nicht mehr zurückgeht, ist klar. Wohin aber führt die Digitalisierung in Zukunft?
„Wer digital arbeitet, sichert die Zukunft. Es gibt keinen Bereich, der nicht von der Digitalisierung komplett überholt und transformiert wird. Und: Wir stehen gerade erst am Beginn dieser Entwicklung, weil aktuell unterschiedliche Generationen am Arbeitsmarkt aufeinandertreffen, die unterschiedliche Ansprüche an Arbeit und Digitalisierung haben.
Für die Zukunft müssen sich Unternehmen an Mitarbeitern orientieren, die sagen: Zusammenarbeit muss so einfach sein wie Onlineshopping. Das bedeutet, den Spagat zwischen vertrauten Prozessen und digitalen Möglichkeiten zu schaffen – und die eigene Belegschaft mit den entsprechenden Tools der digitalen Arbeitswelt vertraut zu machen. Es bringt nichts, etwas zu digitalisieren, das niemand nutzen kann oder will.“
Stichwort Nutzung: Welche Rahmenbedingungen braucht es, um Menschen den Wechsel in die digitale Zusammenarbeit zu erleichtern?
„Zum einen müssen die technischen Voraussetzungen stimmen. Manche haben zu Hause nicht die nötigen Tools für Distance Learning oder Homeoffice. Unternehmen und auch die Personalabteilung sind hier gefordert, aktiv auf die Belegschaft zuzugehen und sich anzusehen, ob ihre Mitarbeiter die digitale Zusammenarbeit überhaupt bewältigen können.
Zudem benötigen digitale Prozesse eine Vertrauensbasis, damit Projekte rascher und in gleichbleibender oder besserer Qualität abgewickelt werden können. Hier ist die Unternehmenskultur gefordert: Wenn man eine Kultur lebt, in der alle dazulernen und verstaubte Prozesse loswerden wollen, steht der Digitalisierung wenig im Wege. In eher analogen Kulturen, die stark auf den persönlichen Kontakt setzen, braucht es zusätzlich einen aktiven kulturellen Wandel.“
Change-Prozesse sind nicht immer leicht umzusetzen. Wie gehen Unternehmen dabei am besten vor?
„Wer anfängt, Dinge umzusetzen, stößt relativ rasch auf Bedürfnisse, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Herausforderung ist, diese Bedürfnisse zu adressieren und kleinste gemeinsame Nenner zu definieren, mit denen alle leben können. Von dort aus kann man diese Schritt für Schritt ausbauen.“
Abgesehen von persönlichen Befindlichkeiten: Was steht der Digitalisierung noch entgegen?
„Die Gewohnheit ist der größte Gegner der Digitalisierung. Zudem finden Veränderungen in immer kürzeren Frequenzen statt. Manche Menschen sind vom Naturell her gar nicht dafür gerüstet, sich so rasch umzustellen.
In diesem Sinne ist Digitalisierung auch nie „fertig“: Dinge ändern sich beständig, die einzige Konstante ist die Veränderung. Das ist für Menschen, die sich an eine bestimmte Herangehensweise gewöhnt haben, schwer zu verstehen – und noch schwerer umzusetzen. Mit Fingerspitzengefühl vorzugehen und vor allem die Vorteile der Digitalisierung in den Vordergrund zu stellen, ist Aufgabe jeder guten Unternehmensführung.“
Kannst du uns die wichtigsten Vorteile noch mal genauer erklären?
„Nach wie vor optimiert die digitale Zusammenarbeit Prozesse und führt zu qualitativ besseren Arbeitsergebnissen, weil neben dem Bauchgefühl Daten und Fakten als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung stehen. Daneben bietet die Digitalisierung in Zeiten der Globalisierung Möglichkeiten zur internationalen Zusammenarbeit. Und nicht zuletzt bietet der digitale Wandel die Chance, den Bedürfnissen einer neuen Generation stärker entgegenzukommen, Stichwort Arbeitszeiten, Diversität und Inklusion. All das sind Herausforderungen, denen jedes Unternehmen in den nächsten Jahren begegnen wird – und auf die es moderne Antworten braucht.“
Im nächsten Teil lesen Sie, was eine erfolgreiche Digitalkultur ausmacht, wie Sie den digitalen Reifegrad Ihres Unternehmens ermitteln und warum der offene Austausch mit anderen Unternehmen gerade beim Thema Digitalisierung besonders wichtig ist.

