Digital Detox – gesunder Alltag in der Digitalisierung

Auch wenn Sie kein sogenannter „Digital Native“ sind – können Sie sich einen Tag ohne Smartphone, Laptop oder Internet vorstellen? Die Nebenwirkungen der Digitalisierung heißen digitaler Stress, FOMO (Fear of missing out) bis hin zum Burn Out. Digital Detox soll Abhilfe schaffen und dauerhaft für Balance im Offline- und Online-Alltag sorgen. 

Was heißt Digital Detox?

Digital Detox bedeutet direkt übersetzt digitale Entgiftung. Im Gegensatz zu toxischen Lebensmitteln verzichtet man beim digitalen Fasten auf technische Geräte und Dienste – vom Smartphone, Laptop und E-Reader bis zur heißgeliebten Instagram App. Da der vollkommene Verzicht auf digitale Tools im Arbeits- und Privatalltag gar nicht so einfach ist, gibt es verschiedene Varianten: Manche legen einen bewussten „ausgestöpselten“ Urlaub ein, andere teilen sich die Aktivität am Bildschirm auf bestimmte Tageszeiten oder Orte auf.

Digital Detox: zeitgemäßer Trend oder Unsinn?

„Wozu denn das Ganze?“, könnte sich der eine oder andere nun fragen. Schließlich haben elektronische Geräte und digitale Apps unser Leben immer mehr erleichtert. Das Wissen der Weltgeschichte ist auf einen Klick verfügbar, Programme unterstützen uns vom Planen einer Route bis zu komplexen Prozessen in der Arbeit und Echtzeit-Videogesprächen mit Menschen am anderen Ende des Globus.

Schattenseiten der Digitalisierung: Auswirkungen auf Gesundheit und Psyche

Genau darin liegt aber auch das Problem: Die Bildschirme und Interfaces übernehmen immer mehr analoge Prozesse, unabhängig davon, ob diese ebenso gut ohne Technik auskommen. Zahlreiche Studien belegen, dass Menschen ungefähr zwei Drittel ihrer Freizeit am Smartphone verbringen. Das ständige Entsperren und Checken des Bildschirms wird zum Zwang: Bis zu 80 Mal am Tag passiert das beim durchschnittlichen Nutzer. Internet- und Handysucht sind heute ernstzunehmende Krankheitsbilder und können zu dauerhaften Schäden für Körper und Psyche beitragen. Laut einer Untersuchung der Universität Wien kann die dauernde Reizüberflutung des Gehirns durch audiovisuelle Signale zu Depressionen und Konzentrationsstörungen führen.

 

Digital Detox als Mittel zur Reflexion und Reduktion

Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung im Privat- und Berufsleben noch einmal einen kräftigen Push beschert, wodurch die Abhängigkeit von Medien und Technik für viele spürbarer und teils belastender wurde. Digital Detox ist dort am hilfreichsten, wo es noch nicht zum krankhaften Suchtverhalten gekommen ist. Der temporäre Verzicht auf digitale Mittel soll den eigenen Medienkonsum zunächst bewusst machen und digitalen Stress verringern, damit Sie dann auf Dauer Maßnahmen für eine verantwortungsvolle und gesunde Nutzung setzen können.

Warum Digital Detox? 5 gute Gründe für mehr Off-Time

 

  1. Weniger Stress und endlich Zeit für richtige Erholung

    Kommunikations-Apps kreieren das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen und versetzen uns in einen Zustand dauerhafter Anspannung. Außerdem sorgen Medienkonsum und blaues Bildschirmlicht vor dem Schlafengehen für eine schlechtere Schlafqualität.

  2. Mehr Produktivität und bessere Konzentration

    Multitasking ist ein Mythos – das Nutzen mehrerer Geräte auf einmal oder das Checken von Benachrichtigungen neben der Arbeit führen vermehrt zu Fehlern und Verlangsamung durch Ablenkung. Auch die Motivation geht in der Reizüberflutung verloren.

  3. Bessere Gesundheit und Raum für mehr Bewegung

    Mausarm, Nacken- und Rückenschmerzen, Kopfweh und schlechte Augen – das ständige Sitzen am Computer oder das Beugen über Bildschirme kann dauerhafte negative Spuren im Körper hinterlassen.

  4. Mehr Präsenz und Achtsamkeit im Leben

    Schöne Erlebnisse und Momente werden häufig nur über Bildschirme erlebt und festgehalten – was aber automatisch Distanz schafft. Wann haben Sie das letzte Mal einfach die Natur genossen, einem Konzert aufmerksam zugehört oder beim Essen nicht auf das Handy gesehen?

  5. Stärkung der sozialen Beziehungen

    Der Name Social Media kann in die Irre führen – denn zwischen Likes, Follows und Posts  bleibt nicht mehr viel Zeit für die Pflege echter sozialer Bindungen. Auch die Aufmerksamkeit während Gesprächen und Unternehmungen leidet am ständigen Blick auf den Bildschirm. Besonders in der Kindererziehung empfehlen Forscher digitale Medien vermindert und bewusst zu nutzen.

Wie funktioniert Digital-Detox im Alltag?

Wie genau und wie lange das digitale Fasten durchgeführt wird, muss individuell entschieden werden. Für manche ist ein Digital-Detox-Urlaub mit vollkommenem Verzicht auf digitale Geräte der einzige Weg, um schlechte Gewohnheiten zu durchbrechen. Andere wiederum tasten sich lieber schrittweise an die digitale Entgiftung heran, da sie realistisch nicht ganz ohne E-Mails und Co. auskommen. Machen Sie anfangs am besten einen Plan, in dem Sie analysieren, zu welchen Zeiten Sie nicht erreichbar sein müssen und auf welche Apps oder Dienste Sie verzichten könnten. Ob Sie nun phasenweise fasten und dann zum digital reduzierten Alltag zurückkehren oder in Schritten Ihren Medienkonsum bewusster regeln – das Ziel ist, dauerhaft eine gesunde Balance zwischen Offline und Online zu finden.

 

10 Digital Detox Tipps für Ihren Alltag 

#1 Kaufen Sie einen altmodischen Wecker

So vermeiden Sie, das Smartphone vor dem Einschlafen und nach dem Aufstehen zu nutzen.

#2 Nutzen Sie den Flugmodus

Dadurch können Sie die Grundfunktionen am Handy oder anderen Geräten verwenden, ohne von Nachrichten und Internet abgelenkt zu sein.

#3 Blockieren Sie Push-Notifications

Bei jeder App können Sie üblicherweise Benachrichtigungen abschalten (nicht nur auf Vibration stellen!), dann können Sie Ihre Kanäle bewusst zu bestimmten Zeiten checken.

#4 Priorisieren Sie Ihre Kontakte

Notfälle können immer passieren – am Handy erstellen Sie dafür am besten eine Favoritenliste mit Kontakten, für die Sie auch im „Nicht Stören“-Modus erreichbar sind. Grundsätzlich ist es gut, Ihren näheren Mitmenschen über Ihren Digital Detox und die eingeschränkte Kommunikation zu informieren.

#5 Nutzen Sie Digital Detox Apps

Auch wenn es paradox klingen mag – spezielle Apps können helfen Ihren Medienkonsum zu verringern. Anwendungen wie Forest oder Offtime analysieren Ihre Mediennutzung, zeigen Reduktionspotenziale und begleiten Ihren Fortschritt oder blocken Funktionen zeitweise.

#6 Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen. Und üben Sie sich in Geduld

Der Zwang, dauernd erreichbar zu sein ist nicht nur einseitig – legen Sie selbst Ihre „Sprechstunden“ fest und respektieren Sie im Gegenzug die Reaktionszeit Ihrer Mitmenschen. 

#7 Abwesenheitsnotizen sind Ihr Freund

Nicht nur in der Arbeit sind Abwesenheitsnachrichten per E-Mail-Notiz, Sprachbox oder Statusmeldung praktisch. Nutzen Sie diese für Ihre Digital Detox Zeiten und Urlaube.

#8 Trennen Sie private von beruflichen Channels

In manchen Jobs ist digitale oder telefonische Erreichbarkeit Pflicht – trennen Sie daher unbedingt professionelle und private Kommunikationskanäle. Am besten sind separate Arbeitshandys und -laptops. 

#9 Definieren Sie Digital-Detox-Zonen

Bestimmten Sie Zeiträume oder bestimmte Orte für bewussten Digitalverzicht – so programmieren Sie Alltagsmuster um und sind präsenter im Moment.

#10 Finden Sie analoge Alternativen für digitale Helferleins

Die Zeit vor digitaler Navigation, Smartphone-Kameras, Podcasts etc. ist noch gar nicht so lange her – greifen Sie ab und zu zum Stadtplan, zur analogen Kamera und konzentrieren Sie sich bewusst auf ein Buch oder einfach Ihre Umgebung.

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